Israelische Kinder reagieren auf „Feuerdrachen“ aus Gaza mit „Drachen der Liebe und des Friedens“.

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Der Drachen auf dem Foto trägt die Nachricht: „leben, lachen, lieben.“ (Yedidya Harush/TPS)

„Ein Molotow-Drachen hat den ganzen Weizen verbrannt, und wir haben entschieden, dass es dort, wo es Drachen des Hasses gibt, auch Drachen der Liebe und des Friedens geben soll“, sagten israelische Bewohner nahe der Grenze zu Gaza.

Von Yona Schnitzer, TPS
Quelle: https://unitedwithisrael.org/youth-in-southern-israel-wage-kite-peace-with-gaza/

Als Antwort auf die Anschläge von „Molotow-Drachen“, die in den letzten Wochen israelische Felder in Brand gesetzt haben, hielten Kinder aus dem israelischen Kibbuz Sa’ad am Gazastreifen am Donnerstagabend ihre eigene Demonstration ab und sandten 250 Drachen mit Friedensbotschaften über die Grenze und nach Gaza.

Jedes Jahr veranstaltet der Kibbuz eine traditionelle Bikurim- Zeremonie (Erste Früchte) zu Ehren des Shavuot-Feiertages, der am Sonntag stattfindet. In diesem Jahr wurden die Weizenfelder der Gemeinde jedoch durch Brände, die von den Drachen aus Gaza ausgelöst wurden, schwer beschädigt.

„Ein Molotow-Drachen hat den ganzen Weizen verbrannt, und wir haben beschlossen, dass dort, wo es Drachen des Hasses gibt, auch Drachen der Liebe und des Friedens geben soll“, sagten Mitglieder des Kibbuz, die sich an einem der abgebrannten Felder versammelten, um die Drachen steigen zu lassen.

„Die Kinder aus dem Kibbuz bekommen die Drachen, sie malen Bilder und Friedensbotschaften darauf und wir werden sie steigen lassen. Wir wollen hier einfach in Frieden leben. Das Leben hier im Negev ist magisch und wir wollen, dass es so bleibt „, fügten sie hinzu.

„Wir waren bewegt von den Reaktionen, der Anteilnahme und den Spenden. Das Gefühl, dass die Nation uns unterstützt, bestärkt uns hier sowohl im Alltag wie auch in Notfällen“, sagte Efrat Shlomi, die Sozialpädagogin des Kibbuz.

„Wir möchten diese Gelegenheit nutzen, um den IDF-Soldaten und den Politikern zu danken, die Tag für Tag daran arbeiten, dass wir hier weiterhin in Sicherheit leben können“, fügte sie hinzu.

Die Veranstaltung im Kibbuz Sa’ad fand nach einem Besuch von Präsident Reuven Rivlin in der Gegend am vergangenen Donnerstag statt, der sich mit Landwirten traf und sie für ihre Widerstandsfähigkeit in diesen schwierigen Zeiten in der Region lobte.

„Wir wollen nicht kämpfen; alles was wir wollen ist in unserem Land in Frieden zu leben“, sagte Rivlin. „Ich bin hierher gekommen, um Sie zu grüßen, alle Bewohner rund um den Gazastreifens, aber vor allem Sie, die Bauern, um Ihnen zu sagen, dass Sie die Größten sind“, fügte er hinzu.

 

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Ausschreitungen in Gaza – ich war dort.

Ausschreitungen in Gaza
Ausschreitungen an der Grenze zu Gaza. Bild: IDF

Kinley Tor Paz, ein Israeli, schreibt:

Ich schreibe diesen Post für meine guten Freunde – meine moralischen, menschenfreundlichen Freunde und für all jene, die besorgt und wütend über die heutigen Tode und Verletzungen an der Grenze zu Gaza sind.

In Bezug auf Israels Auszug aus Ägypten, als die ägyptische Armee im Roten Meer ertrank, kurz bevor sie die Israeliten erreichte – sagen unsere Weisen, dass Gott die Engel beschimpfte und sie davon abhielt zu singen und zu jubeln: „Meine Schöpfungen ertrinken im Meer und Ihr singt?!“

Ich schreibe diese Worte mit großer Zurückhaltung und aus einem Gefühl der Verpflichtung heraus. Ich kann verstehen und mich mit all jenen guten und moralischen Zionisten identifizieren, die fürchten, dass die vielen palästinensischen Opfer unsere Schuld sein könnten, die Folge von Fehlern, die von unserer Seite begangen wurden.

Ich schreibe, weil ich einer der wenigen bin, die dort waren – in Uniform, in der Reserve, aber ich war dort. Ja, genau dort an dem Zaun, wo die Demonstrationen stattfinden. Es war letzten Freitag – aber ich habe es mit eigenen Augen gesehen; Ich war auf unserer Seite, aber ich konnte alles sehen, hören und verstehen. Ich möchte aus erster Hand Zeugnis geben, keine theoretische Sichtweise. Weil ich dort war.

Ich möchte bezeugen, dass das, was ich gesehen und gehört habe, eine ungeheure, höchste Anstrengung von unserer Seite war, um palästinensische Tote und Verletzte auf jede mögliche Weise zu verhindern.

Natürlich bestand die Hauptaufgabe darin, zu verhindern, dass Hunderttausende Gazaner in unser Territorium eindringen. Diese Art von Invasion wäre bedrohlich und lebensgefährlich für die nahe gelegenen Gemeinden gewesen, sie hätte es ermöglicht, dass als Zivilisten getarnte Terroristen unsere Kibbuzim und Moshavim* betreten und sie hätte uns keine andere Wahl lassen, als jeden einzelnen Eindringling anzugreifen.

Deshalb wurden unsere Soldaten angewiesen, die Infiltration zu verhindern – mit unterschiedlichen Methoden und nur als letzten Ausweg mit Munition. Die IDF** setzt viele kreative Mittel ein, um die Spannungen mit den Bewohnern des Gazastreifens zu verringern, und verwendet zahlreiche Methoden, von denen die meisten nicht öffentlich gemacht werden, um zu verhindern, dass sie den Zaun erreichen.

Darüber hinaus gab es in den letzten Wochen ernsthafte Bemühungen, das Leben von Kindern und Zivilisten zu schützen, die von der Hamas an die Front gedrängt wurden – die sich hinter ihnen zu verstecken versuchte, um nach Israel einzudringen und es anzugreifen.

Wenn es keine Alternative gab und scharfe Munition eingesetzt werden musste, um diejenigen aufzuhalten, die den Zaun stürmten, machten die Soldaten heroische und manchmal gefährliche Anstrengungen, die andere Seite nicht zu töten, sondern nur zu verletzen.

Die IDF stationiert an jedem Konfrontationspunkt Kommandeure, um sicherzustellen, dass jeder Schuss genehmigt und von einer verantwortlichen Person mit entsprechender Autorität abgesichert wird. Jedes Einsatzgebiet verfügt über eine besonders große Anzahl von Truppen, um sicherzustellen, dass Soldaten nicht in lebensbedrohliche Situationen geraten, in denen sie keine Wahl hätten, als wahllos zu feuern.

Eine Situation, in der Tausende von Menschen auf dich stürzen, ist beängstigend, sogar grauenerregend. Es ist extrem schwierig, Ruhe zu bewahren, und es erfordert Besonnenheit und ausgereifte Professionalität.

55 Tote sind eine enorme Zahl. Aber ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass jedes Geschoss und jeder Treffer in Excel-Tabellen sorgfältig erfasst, dokumentiert und untersucht wird. Buchstäblich jedes und jeder. Ich war dort und ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen.

Dies ist nicht die Zeit oder der Ort, um die Gesamtsituation und die verzweifelte Lage der Bewohner von Gaza zu diskutieren. Ich habe kein Interesse daran, hier eine politische Diskussion zu beginnen, obwohl ich eine klare Position habe.

Was ich versuche: ich möchte für jeden, der wirklich zuhören möchte, das Ausmaß der enormen Anstrengungen der IDF dokumentieren, die israelischen Grenzen zu schützen und dabei Verletzungen und den Verlust von Leben auf der anderen Seite zu minimieren.

Und trotzdem – die Situation an der Grenze zu Gaza verschlechtert sich. Ich hoffe, dass wir nicht bald wieder in die Pflicht genommen werden, unser Land schützen zu müssen. Aber wenn es so kommt, werden wir mit dem Wissen gehen, dass wir einer gerechten und moralisch richtigen Sache dienen. Wir freuen uns nicht darauf, in den Krieg ziehen müssen, aber wir gehen auch nicht wie Schafe zur Schlachtbank. Nie wieder.

 

*Moshavim = landwirtschaftliche Gemeinschaft

** IDF = Israelische Armee

Der palästinensische Siedlerkolonialismus

Das Konzept des „Siedlerkolonialismus“ wurde mit fast einzigartiger Vehemenz gegen Israel angewendet. Aber die Tatsache, dass Juden die indigene Bevölkerung der südlichen Levante sind, kann mit Leichtigkeit bewiesen werden. Im Gegensatz dazu zeigen historische und genealogische Beweise, dass Palästinenser hauptsächlich von drei Hauptgruppen abstammen: muslimische Invasoren, arabische Immigranten und lokale Konvertiten zum Islam. Die muslimische Eroberung des byzantinischen Palästina im 7. Jahrhundert n. Chr. ist ein Paradebeispiel des Siedlerkolonialismus, ebenso wie die nachfolgende Immigration, insbesondere im 19. und 20. Jahrhundert unter dem Osmanischen und Britischen Imperium. Die Anwendung des Konzepts auf Juden und den Zionismus durch die Palästinenser ist sowohl paradox wie auch wenig hilfreich.

Von Dr. Alex Joffe, 3. September 2017

Original: https://besacenter.org/perspectives-papers/palestinians-settlers-colonialism/

Kalif-Umar
Der Einritt von Kalif Umar (581-644) in Jerusalem, kolorierter Kupferstich aus dem 19. Jahrhundert, via Wikipedia

Perspektivenpapier Nr. 577 des BESA Centre (Begin-Sadat Zentrum für strategische Studien), 3. September 2017

Eine der tragenden Säulen der modernen Lehrmeinung ist das Konzept des Siedlerkolonialismus. Es geht davon aus, dass bestimmte Gesellschaften aus Siedlern entstanden sind, die in einem fremden Gebiet Wurzeln geschlagen haben, entweder durch oder mit Zustimmung einer imperialen Macht. Diese Kolonisten dominieren und vernichten die indigene Bevölkerung. Sie entwickeln kriegerische Kulturen, die die Einheimischen aus historischen, literarischen und anderen Überlieferungen eliminieren. Primäre Beispiele, die oft zitiert werden, sind die USA, Kanada, Australien und Neuseeland, Südafrika und Rhodesien – und Israel.

Die gegen Israel angewendete These des Siedlerkolonialismus unterstellt, dass der Zionismus ein imperialistisches Werkzeug Großbritanniens war (oder alternativ, dass der Zionismus das britische Imperium manipulierte); dass Juden eine fremde Bevölkerung darstellen, die nach Palästina verpflanzt wurde, um das Land an sich zu reißen und die Bevölkerung zu verdrängen; und dass Israel an den Palästinensern einen „Völkermord“ begangen hat, real, figurativ und kulturell.

Nach dieser Argumentation ist Israels „Siedlerkolonialismus“ eine „Struktur, kein Ereignis“ und wurde von einem „Erbe grundlegender Gewalt“ begleitet, das bis zum ersten Zionistenkongress 1897 oder sogar davor zurückreicht. Da der Zionismus so von zwei Formen unausrottbarer Erbsünde durchtränkt ist, wird eine gewalttätige Opposition gegen Israel legitimiert, und jede Form von Kompromissen, sogar Verhandlungen, ist „fehlgeleitet und unaufrichtig, weil der Dialog den asymmetrischen Status quo nicht betrifft.“

Aber die Geschichte des Nahen Ostens lässt sich nicht passend zu diesen Formulierungen zurechtbiegen. Unter den vielen Konzepten, die von den Palästinensern missbraucht und pervertiert werden, steht der Vorwurf des israelischen „Genozids“ an der Spitze der Rangliste, gleichermaßen wegen seiner eklatanten Dreistigkeit, unverhohlenen Verleumdung und Abscheulichkeit. Das Siedler-koloniale Narrativ verdient aus drei Gründen nähere Beachtung: seine vergleichsweise kurz zurückliegende Aneignung durch die Palästinenser und deren Fürsprecher; seine verbreitete Geltung in der Wissenschaft; und sein offensichtlicher und paradoxer Irrtum.

Die Vorstellung von Juden als „Siedler-Kolonialisten“ ist leicht zu widerlegen. Eine Fülle von Beweisen zeigt, dass Juden die indigene Bevölkerung der südlichen Levante sind; historische und jetzt auch genetische Dokumentationen verorten Juden vor über 2000 Jahren dort, und es gibt unbestreitbare Beweise für eine durchgängige jüdische Präsenz in der Region. Daten, die die kulturelle und genetische Kontinuität lokaler und globaler jüdischer Gemeinschaften zeigen, sind ebenfalls reichlich vorhanden. Die Beweise sind so reichhaltig und so unwiderlegbar, dass selbst Historikern der Antike und Verfassern religiöser Texte, von denen einige judäophob waren, eine Trennung der Juden von der südlichen Levante einfach nicht in den Sinn kam. Juden sind die indigene Bevölkerung.

Was die imperiale Unterstützung anbelangt, so begann die zionistische Bewegung während des Osmanischen Reiches, das Juden gegenüber bestenfalls zurückhaltend war und der Idee einer jüdischen Souveränität ablehnend gegenüberstand. Das britische Weltreich bot seinerseits zunächst Unterstützung in Form der Balfour-Deklaration, doch während der Mandatszeit (1920-48) geriet die Unterstützung des Zionismus ins Wanken. Der Bau der Infrastruktur half dem Jischuw* immens, aber die politische Unterstützung für die jüdische Einwanderung und Entwicklung, wie sie vom Völkerbundmandat vorgeschrieben war, nahm zu und ab, bis sie am Vorabend des Zweiten Weltkriegs bekanntlich zurückgenommen wurde. Das kann man kaum „Siedlerkolonialismus“ nennen.

Ironischerweise kann das Gleiche nicht für die palästinensischen Araber gesagt werden. Eine neuere Analyse von Pinhas Inbari untersucht die Geschichte Palästinas (abgeleitet von dem römischen Begriff Palaestina, der 135 n. Chr. als Strafe für eine jüdische Revolte eingeführt wurde). Vor allem untersuchte er die herkömmlichen Traditionen der palästinensischen Stämme, die sich selbst heute noch als Einwanderer aus anderen Ländern begreifen. Inbaris Untersuchung zeigt – zusammen mit vielen zusätzlichen Informationsquellen, die von ihm nicht angesprochen wurden – dass moderne Palästinenser tatsächlich von zwei primären Strömungen abstammen: Konvertiten von indigenen Juden und Christen in der Vormoderne, die sich dem Islam unterwarfen, und arabischen Stämmen, die aus dem ganzen Nahen Osten stammen und die zwischen der Spätantike und den 1940er Jahren in die südliche Levante eingewandert sind. Die am besten dokumentierten Episoden sind die islamischen Eroberungen des 7. Jahrhunderts und deren Folgen sowie die Zeit des späten Osmanischen Reiches und des britischen Mandats.

Sogar ein bemerkenswertes Beispiel wie der palästinensische Unterhändler Saeb Erekat, der abstruserweise behauptete „Ich bin der stolze Sohn von Kanaanitern, die dort 5500 Jahre bevor Joshua bin Nún die Stadt Jericho niedergebrannt hat, lebten“, führt seine wahre Familienlinie auf den Huwaitat-Stamm zurück, der Arabien nach Jordanien auswanderte. Das seltene Eingeständnis des Hamas-Ministers Fathi Ḥammad, dass „die Hälfte der Palästinenser Ägypter und die andere Hälfte Saudis sind“ ist da ehrlicher.

Inbari folgend soll nicht argumentiert werden, dass es „keine Palästinenser gibt“, die somit keine politischen Rechte verdienen (einschließlich Selbstbestimmung und Staat). Dies zu tun wäre sowohl logisch als auch moralisch falsch. Die Palästinenser haben das Recht, sich selbst so zu definieren, wie sie es für richtig halten, und die Israelis müssen mit ihnen guten Willens verhandeln. Was Palästinenser jedoch nicht behaupten können, ist, dass sie Palästinas indigene Bevölkerung und die Juden kolonialistische Siedler sind.

Palästinensische Genealogien, die zeigen, dass die eigenen Stämme ihren Ursprung außerhalb der südlichen Levante haben, sind auf den ersten Blick Beweise für den arabischen Siedlerkolonialismus. Und während Narrative der arabischen Eroberungen des byzantinischen Palästina und Nordafrikas nicht für bare Münze genommen werden können, sind sie rein ideologischer Ausdruck des Siedlerkolonialismus. In den Jahren 634-37 n.Chr. eroberten muslimische Armeen unter dem Befehl des Kalifen Umar die gesamte Levante, bevor sie 638 und 639 in Armenien und Anatolien einmarschierten.

Die nachfolgende Islamisierung und Arabisierung der Levante war ein langer und komplexer imperialer Prozess, der die Region in Verwaltungsbezirke neu organisierte, neue soziale Kategorien für Steuer- und Kontrollzwecke einführte, Siedler dorthin verpflanzte, Ländereien zu Besitztümern umwandelte und die Konversion zum Islam förderte. Im Laufe der Jahrhunderte wanderten andere Siedler ab und wurden gezielt ersetzt, darunter allein im 19. Jahrhundert Ägypter, die vor Muhammad Ali in den späten 1820ern bis in die 1840er Jahre flüchteten und von ihm importiert wurden, sowie vom Osmanischen Reich nach seinen Kriegen mit Russland in den 1860er Jahren vertriebene Tschetschenen, Tscherkessen und Turkmenen. Während dieses Jahrhunderts wanderten auch Beduinenstämme, Algerier, Jemeniten und vielen andere ein.

Was die moderne Einwanderung anbelangt, hätte Inbari auch auf die durch die palästinensische Volkszählung von 1922 bis 1931 gut dokumentierte Bevölkerungszunahme hinweisen können, die durch illegale Einwanderung verursacht wurde, vorangetrieben durch die Entwicklung der Infrastruktur und Wirtschaft der Region. Eine Schätzung besagt, dass 37% des Anstiegs der palästinensischen Bevölkerung zwischen 1922 und 1931, also über 60.000 Personen, auf die illegale Einwanderung zurückzuführen sind. Eine andere Studie fand heraus, dass von 1932 bis 1946 weitere 60.000 illegale männliche Immigranten ins Land kamen, wobei ungezählte Frauen als Bräute mit eingeführt wurden, zusätzlich zu dem großen Zustrom arabischer Arbeiter von 1940 bis 1945 im Zusammenhang mit den Kriegsanstrengungen.

Um es noch einmal zu sagen, diese Argumente eignen sich weder als Beleg dafür, dass für „ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land“ gekämpft wurde, noch dafür, dass das osmanische Palästina „leer“ war, als die zionistische Bewegung begann. Es war tatsächlich bevölkert, wenn auch ungleichmäßig, aber diese Volksgruppen waren in den vergangenen Jahrhunderten in das Land eingewandert, ein Prozess, der sich gerade wegen der zionistischen Bewegung und des britischen Mandats beschleunigte. Der palästinensische Siedlerkolonialismus fand ironischerweise unter der Ägide eines muslimischen und eines christlichen Imperiums statt.

Schlussendlich geht es um ein eigenständiges palästinensisches ethnisch-nationales Bewusstsein und seine Beziehung zum Siedlerkolonialismus. Bemühungen, eine eigene palästinensische ethnische Identität schon im 17. Jahrhundert zu verorten, überzeugen nicht. Stattdessen entwickelte sich die Idee in den Jahren unmittelbar vor und besonders nach dem Ersten Weltkrieg zu einem elitären Konzept, das mit weit tieferen und widerstandsfähigeren Stammes- und religiösen Identitäten konkurrierte. Die Nationalisierung der Massen vollzog sich allmählich in den folgenden Jahrzehnten, angetrieben teilweise durch Tragödien, die ihnen von ihren Anführern aufgezwungen wurden, insbesondere die „Arabische Revolte“ von 1936-39, die Ablehnung der Teilung im Jahr 1947, der israelische Unabhängigkeitskrieg von 1948-49, und die anschließende, eher lokale, Vertreibung von Flüchtlingen in den 1950er Jahren. Palästinensischer Nationalismus und palästinensische Identität sind weitgehend reaktiv und zum anderen – wenn man die Tatsache beachtet, dass die koloniale Identität der Siedler in erster Linie stammesbezogen und religiös motiviert war – per Definition imperialistisch.

Im 19. und 20. Jahrhundert hatte eine Mythologie der „zeitlosen“ Palästinenser Wurzeln geschlagen. In der früheren Phase war dies ein Vorstellungsbild europäischer Orientalisten: die Palästinenser als lebende „Fossilien“, die die Lebenswege der Bibel widerspiegeln. Später eigneten sich die Palästinenser dieses Bild aus strategischen Gründen als politische und kulturelle Erwiderung auf die zionistische Rückkehr in das Land an. Dieses Vorgehen war vielleicht nachvollziehbar, wenn auch paradox; aber es wird in Erekats Anspruch, steinzeitliche Vorfahren gehabt zu haben, zum Widerspruch in sich selbst.

Es sind also die Palästinenser, die die Siedlerkolonialisten sind, nicht die Juden oder gar die Zionisten. Ändert sich durch diese Erkenntnis etwas? Bringt uns die Entfernung eines Begriffs aus dem Instrumentarium der Verweigerer einer Verhandlungs- und Friedenslösung näher? Dies scheint unwahrscheinlich. Aber auf lange Sicht wird es für Palästinenser und Israelis gleichermaßen notwendig sein, sich gewissen Wahrheiten zu stellen. Eine davon ist, dass die Ablehnung Israels als solches keine Folge des palästinensischen Nationalismus und der lokalen Identität ist, sondern die islamische religiöse Opposition gegen jüdische Autonomie und Souveränität. Ein anderer Grund ist, dass tendenziöse Kategorien wie „Siedlerkolonialismus“, die ironischerweise gerade die palästinensischen Ansprüche auf einen indigenen Status untergraben, zugunsten von ehrlichen Geschichtsbeurteilungen aufgegeben werden sollten.

 

Alex Joffe ist Archäologe und Historiker. Er ist ein Shillman-Ginsburg-Mitarbeiter am Middle East Forum. 

*Jischuw = jüdische Bevölkerung Palästinas vor der Staatsgründung Israels